Assessed – von Gastwriter Torsten

Kürzlich habe ich einen großartigen Assessment-Center bei einer noch grossartigeren Personalberatung in Düsseldorf hinter mich gebracht. Da machte man lauter lustige Sachen, und jetzt weiss ich endlich (oder auch nicht), ob ich eine wichtige Führungspersönlichkeit bin.

Durch die 9stündige Veranstaltung begleitete mich eine Art Tierpflegerin. Sie ist Wirtschaftspsychologin (toll, was man alles lernen kann – bei solchen Leuten liegt die Wirtschaft höchstpersönlich auf der Couch?!),und durch ihre jahrzehntelange Erfahrung konnte die 27jährige leicht erkennen, was ich so für einer bin.

Was durfte ich so alles spielen im Terrarium? Da war ich eine junge Führungskraft der Clean AG und faltete eine eifersüchtige Mitarbeiterin, Frau Altfeld, zusammen (schwache politisch-taktische Leistung meinerseits, Argumentatationsstruktur verbesserungswürdig).

Ich durfte meinen Postkorb leeren und feststellen, was für ein Chaos in meinem fensterherstellenden Unternehmen Fenetra herrscht. Da habe ich einen unfähigen Personalleiter, der kündigt, einen schweren Autounfall meines Produktionsleiters Herrn Hilb, wobei gleichzeitig eine grosse Reklamation zu ersetzen ist, die wir aber nicht ausführen können, weil ja das Personal knapp ist, und die Preise der Aluminiumprofile so gestiegen sind und ich als Projektleiter der DIN ISO 9001-Zertifizierung nicht fristgerecht fertig werde und mich bereits der Vorstandsvorsitzende Herr Dr. Bossard schriftlich gerügt hat und mein Leiter Einkauf Alkoholiker zu sein scheint und so weiter und so weiter….

Dann füllte ich einen tollen Fragebogen aus. 166 Fragen, die mit „Trifft auf mich zu“ oder „Trifft nicht auf mich zu“ zu beantworten waren. Schwierige Aussagen. Keine Ahnung, was dahinter gesteckt hat.
Beispiel: „Wenn ich unter Druck gerate, werde ich schnell nervös.“ Natürlich hab‘ ich „Stimmt“ angekreuzt. Und das noch 165 mal.

Dann waren wir 20 Minuten beim Essen (Tagliari mit fischen Pfifferlingen – ich achtete auf meine Manieren).

Anschließend die analytische Fallstudie (Untersuchung eines Sturzes beim Fensterputzen?!). Nein – ich sollte als Geschäftsführer der Comtech GmbH eine kunststoffverarbeitende Firma kaufen.
Bei genauem Hinsehen stellte ich mit meinem messerscharfen Verstand fest, dass die Bilanz gefälscht war – 100 Punkte, eine Waschmaschine gewonnen. Dann kam der Herr Hölzl, ein Kollege, dem ich einen Mitarbeiter für mein Projekt abwerben sollte. Ich wusste zwar nicht, für welches Projekt und wie lange das dauern sollte, aber egal. Man sagte mir später, dass ich wieder Defizite im politisch-taktischen und argumentationsstrukturellen gezeigt hätte. Schade.

Dann habe ich zum Schluss noch meine Stehgreifpräsentation halten dürfen. Ich hatte eine neue Zahncreme entwickelt und stellte sie der Marketingabteilung vor. War zu einfallslos. Zahncreme mit verkapselten Vitaminen. Gähn.

Gott sei Dank gab’s zum Schluss ein „Feed-Back“ (mir kam das Essen hoch – nein…).
Man präsentierte mir mein psychsoziales Profil, dessen Beschreibung jetzt a) zu weit führen würde und an das ich mich b) auch nicht mehr erinnern kann. Das gesamte Gutachten, das die nette Psychologin über mich erstellt hat, ist schon kommende Woche bei meinem potentiellen Arbeitgeber. Wirklich eine praktische Sache für eine Personalabteilung.

So, ich muss jetzt Schluss machen, die Männer mit den weissen Kitteln kommen und bringen mich in ein Haus, wo alle nett zu mir sind und ich die Türen nicht mehr aufkriege und……………………..

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