Kleider machen Leute

Vor nahezu jedem gesellschaftlichen Ereignis läuft bei uns die immer gleiche Szene – ja, ich würde sogar sagen, ein Ritual – ab.

Es beginnt mit den immer gleichen Worten; Worte, die bei Millionen Männern von grenzenlosem Unverständnis bis hin zu suizidalen Kurzschlußreaktionen alle Facetten menschlicher Verhaltensweisen auslösen können: „Klaauuuus, ich hab´ nichts anzuziehen.“
Da sitzt sie also nun, vor unserem randvollen Kleiderschrank, der das Fassungsvermögen eines Kleintransporters besitzt, schaut mich an wie jemand, der gerade Windows 2000 installiert hat, und sagt mir allen Ernstes: Ich hab´ nichts anzuziehen. Da wir eine sehr solide und einfühlsame Beziehung führen, versuche ich, das Beste aus der Situation zu machen: „Dann geh´ halt nackt.“ Das war der Gong für die erste Runde.

„Na ist doch wahr …“, versucht sie, mit brillanter Argumentation schon den frühen K.O.-Sieg zu landen. Im folgenden versuche ich, gleich einem fahrendem Händler vom Hamburger Fischmarkt, ihr ihre eigenen Kleider schmackhaft zu machen. Aber vergebens. „Das hatte ich das letzte mal schon an“, „Das paßt nicht mehr“, „Nein Klaus, der Ski-Overall ist entschieden zu warm im Juli“ oder „Spinnst Du, ich kann doch nicht mein Hochzeitskleid zur Grillfete anziehen“, alle Vorschläge meinerseits werden abgeschmettert. Nach langem Hin und her zwängt sie sich schließlich in irgend etwas, was „total scheiße aussieht“, und wir können gehen.

Aber ganz ehrlich: Meine Frau gibt nicht wirklich ein Vermögen für Kleider aus. Und da wir letzte Woche Freunde in Hamburg besucht haben, war die Gelegenheit gut, dieses Dilemma etwas zu lindern. Wir beschlossen, Daniela ´mal so richtig neu einzukleiden.
Ab Mittag bis Geschäftsschluß waren wir unterwegs: Mönckebergstraße, Jungfernstieg ´rauf und ´runter, bis die Füße gequalmt haben. Die Ausbeute: Ein Pulli, zwei schöne T-Shirts und ein paar schicke Turnschuhe.

Leider wird es vor der nächsten Feier aber wieder diesselbe Diskussion geben, denn die Sachen sind meine. Daniela hat nichts bekommen …

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